Magazin - Mädels - Coming-Out

Sarah K.

Mein Coming Out war mit 17. Vorher war ich noch mit Jungs zusammen. Aufgefallen ist es mir ja schon, dass ich nicht hundertprozentig zufrieden war. Es war aber früher so „hast du einen Freund gehörst du dazu“. Vielleicht ist es ja wie mit dem Rauchen: wenn du rauchst bist du cool. Ich habe nur einmal einen Jungen sehr geliebt. Ein Jahr und einen Monat war ich mit ihm zusammen, doch danach war das auch nicht mehr so das Wahre. Als ich 16 war lernte ich zwei Lesben kennen. Da sagte ich noch “lesbisch, wie kann man nur“. Aber dann tauchte eine Person in meinem Leben auf, die meine Welt mit einem Schlag veränderte. Ich wusste selbst nicht mehr so genau was mit mir los war, vielleicht wollte ich es auch gar nicht wahrhaben. Die Neugier hat jedoch überwogen. Es hat etwas gedauert, bis ich mich besonnen habe und ich den Mut hatte diesem Mädchen zu sagen, dass ich mich in sie verliebt habe. Das war mit 17. Ich war gerade eine Woche mit ihr zusammen, da wussten schon einige Leute aus dem Freundeskreis über uns Bescheid. Außer meiner besten Freundin reagierten fast alle positiv. Sie war erst mal wahnsinnig geschockt (mittlerweile ist sie auch lesbisch. Insgesamt wollte ich es jedenfalls nicht direkt an die große Glocke hängen, also sagte ich auch meinen Eltern erst mal nichts. Ungefähr vier Monate später hatte ich mal keinen Bock auf Schule und ich wusste, dass meine Freundin frei hatte. Ich fuhr an diesem Morgen zu ihr. Wir schauten fern und lagen im Bett. Während wir uns einen schönen Morgen machten rief meine schlechtgelaunte Lehrerin bei meiner Mutter an. Meine Mutter versuchte mich natürlich nach dem Telefonat mit meiner Lehrerin zu erreichen. Ich hatte mein Handy ausgestellt. Meine Mutter nutzte dies wohl als Vorwand in meinem Zimmer nach der Telefonnummer meiner Freundin zu suchen. Sie wusste ja das wir ständig zusammen hingen. Meine Mutter fand einen Brief von meiner Freundin Yvonne, den sie las. In dem Brief stand auch die Handynummer von ihr, die meine Mutter natürlich direkt wählte, in der Hoffnung mich an die Strippe zu bekommen. So war es natürlich auch. Meine Mutter war stocksauer. Sie fragte mich, wo ich denn sei, woraufhin ich antwortete, dass ich bei Yvonne sei. Da sagte sie plötzlich: „Ach bei deiner Geliebten?“ Ich war total geschockt und bat sie das zu wiederholen. Sie erzählte mir von dem Brief und das sie nun alles wissen würde und das ich es nicht abstreiten könne. Ich war erst mal sauer und meckerte sie an, was sie in meinem Zimmer zu suchen hat und ob sie nichts Besseres zu tun hat, als meine Post zu lesen. Zuhause war dann gar nicht soviel Terz. meine Mutter kam schnell damit zurecht. Die restlichen Verwandten auch. Der einzige der sich schwer tat war mein Vater. Er redete über einen Monat nicht mit mir, aber mittlerweile geht es wieder. Tja, und jetzt weiß es eben jeder. Aber ich bin echt froh, dass es so ist.

Sarah B.

Irgendwie fehlte mir das Interesse an Jungs. Ich fand sie zwar „cool“, doch sie reizten mich kaum. Warum wusste ich nie. Während der Sekundarstufe fühlte ich mich häufig zu Mädchen hingezogen, die ich respektierte. Mich faszinierten Schauspielerinnen, Sängerinnen - doch keine Sänger. von Julia Roberts bis Blümchen suchte ich viele Jahre meine Idole auf der Leinwand und in den Medien. Mit 16 verliebte ich mich in ein Mädchen. Die Leute die davon wussten nahmen mich nicht ernst. Man erklärte mir, dies sei eine pubertäre Phase. Erst als ich 18 wurde und mich neu verliebte, überwund ich mich mit dieser Frau zu sprechen. Es war eine Betreuerin, die mich zu diesem Zeitpunkt begleitete. Sie war die erste. Sie war es die mich zu ermutigen wusste. In einem Cafe erklärte ich ihr meine Angst. 3 Monate später hatte ich im Februar 2001 mein Coming-Out:

…schweißgebadet glitten meine Hände über meine Jeans, als ich sah wie der Saum an der Naht sich langsam aufzuribbeln begann. Meine Hände zuckten ständig nervös zur Seite und in meinem Bauch spürte ich einen unerträglichen Krampf, der sich auf und ab bewegte. Meine gerade neu gekauften Stiefel klemmten unangenehm eng an meinen Fersen fest. Das Zittern meiner Beine wurde intensiver. Es breitete sich über meinen ganzen Körper aus und ein nach Hilfe lechzendes Gefühl voll Angst und Unsicherheit, kam in mir auf, als plötzlich alles in mir schrie. Es wollte raus. Ihr glasklarer, tiefgrüner Blick versetzte mich in plötzliche Verwirrung. Sie war ernst. Sie war still. Sie sagte nichts! Ihre Augenbrauen zogen sich ein wenig zusammen, doch ihr Blick blieb unverändert reglos…

Nun hatte sie ja mal Zeit und Geduld. Sehr viel Geduld sogar. Ein Anfall von großer Müdigkeit und schwäche überfiel mich plötzlich, während sie mich wartend ansah…

Mein Coming out war die mutigste Situation in meinem Leben. Ich brachte mein Liebesgeständnis nicht mehr heraus. Sie erfuhr es schriftlich und reagierte verständnisvoll und vertrauenswürdig. Trotz einer hoffnungslosen Liebe und der berufliche Distanz war sie meine „erste große Liebe“.